Mittwoch, 24. November 2010

Gräber und Schubladen

Begraben wir?  Oder ist es eigentlich vielmehr ein temporäres Vergraben von Dingen, Momenten, Wünschen, Träumen, Menschen (physisch wie auch symbolisch).

Wie oft hat man sich vielleicht vorgenommen, oder gesagt „...das kann ich wohl abhaken, den Glauben daran habe ich verloren, das begrab ich mal lieber, besser is das....“

Schaut man sich doch einfach mal das gängigste Beispiel an, Beziehungen und die darauf projizierten eigenen Vorstellungen und Wünsche. Wie oft sagt man sich nach (vielleicht mal wieder) gescheiterten Beziehungen „...daran glaub ich nicht mehr“, sei es die Liebe ansich, oder die Vorstellung, das diese allein für eine Beziehung reicht, oder man in seinem Partner sein perfektes Pendant findet. Man „begräbt“ diese Vorstellung des eigenen Ideals, geht’s einem doch damit eigentlich auch besser. Was nicht funktioniert, vielleicht zum wiederholten Male nicht, kann vielleicht auch einfach nicht gut sein. Punkt. Macht man halt Abstriche (wegbuddel, bockig drauftret)

Bis zum nächsten Mal....denn da geht man hin, nimmt sich sein kleines Schüppchen und erinnert sich, das da mal was begraben wurde, und gräbt es wieder aus. Es könnte doch vielleicht nun.....na so ganz gibt man Hoffnungen, Wünsche und Ideale doch nicht auf....oder nicht?

Oder man trainiert auf einen bestimmten sportlichen  Erfolg hin, ackert, verzichtet und scheitert, fällt, rackert sich wieder hoch, macht weiter, bis das Scheitern vielleicht überhand nimmt und man sich fragt: „Macht das eigentlich Sinn?“ Ich erinnere mich in solchen Moment immer an diesen lustigen Pianisten der Sesamstrasse, der immer völlig demotiviert seinen Kopf auf sein Klavier schlug und jammerte: „Ich werde das niemals schaffen, niiiiiiiemals“ Bäm!

Was tut man? Man begräbt gleich? Oder vergräbt doch besser eine Zeit seine Ideale, seine Hoffnungen, das all die Arbeit auch mal zu Erfolgen führen kann und macht weiter. Nur mit weniger Druck. Bis plötzlich wieder das Gefühl da ist, auf einem guten Weg zu sein. Dann kommt das Schüppchen....und man findet es wieder geil. Man steht hinter den ganzen Dingen. In der Liebe, dem Leben, man fängt wieder an, sein Ding zu verteidigen. Seinen Weg, seine Ideale und eröffnet sich selbst und auch dem Menschen gegenüber, zu beweisen, das es auch so ist.

Für mich hat das Wort „Grab“ daher einen faden Beigeschmack. Denn sowohl Menschen, die sterben, als auch Wünsche, Hoffnungen, Ideale, Träume, tragen wir eigentlich immer weiter mit uns herum, es ist nur in manchen Moment „bequemer“ und vielleicht auch weniger belastend, sie im Kopf zu behalten.

Temporäre Aufbewahrungsschublade trifft es eher.

Schublade auf, Zeuch rein, Schublade zu und ab und an mal dran gehen und reinlinsen, wieder finden, rausnehmen, angucken, vielleicht auch erst mal wieder reinlegen wenn es einen hämisch angrinst („Los nimms und scheiter direkt wieder Du Graupe“).

Dann ist es vielleicht noch nicht an der Zeit.





1 Kommentar:

  1. Meeeeiiiin Thema;-). Robert E.Howard sagt dazu "siebenmal hinfallen, achtmal aufstehen". Die Welt und vor allem einige von unseren a.k.a. lieben Mitmenschen macht uns fertig, aber fertig sind wir erst, wenn wir begraben sind, mit all unseren Potentialen und Hoffnungen... wenn wir aufhören zu kämpfen, mit allen Mitteln.

    Großartiger Post, liebe Wencke;-), danke!!! Dein Dasein gibt mir Hoffnung, und Du bist ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben geworden.

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