Mittwoch, 2. Februar 2011

Geister (ungerufen)

Ich weiss bis heute eigentlich nicht, was sich genau in der Psyche eines Menschen abspielt, wenn diese ungerufenen Geister plötzlich jemanden wieder in Besitz nehmen. Es sind die Momente, wo Du am wenigsten mit rechnest. Keine besonderen Vorkommnisse, kein besonderer Stress, nicht mal übermässig Zeit zum Grübeln. Ein 0815 Tag, aufstehen, arbeiten, essen, lesen/surfen/fernsehen und schlafen. Punkt 1 und 2 klappte gut. Ebenso Punkt 3 ohne besondere Auffälligkeiten.

Plötzlich Synapsenschaltfehler. Aus dem Nichts tauchen Bilder auf, Gesichter, Momente und ein Gefühl.

Ich bin ja schlau und ja nicht unbeholfen in diesen Dingen, raten ja auch viele "Plüschologen", einer Situation mit einem gedanklichen Stop (auch gern laut ausgesprochen), in einen Stillstand zu versetzen. Tats, stand auf und verließ den Raum in einen anderen hinein, mit einem Buch unterm Arm. Es brachte nichts mehr. Es hatte mich bereits im Griff. Mir blieb in diesem Moment erst einmal nichts anderes als mich darauf einzulassen. Gedankenversunken hockte ich in der Ecke, verstand die Welt wieder einmal nicht mehr und liess den Gefühlen Ihren Raum. Eine SMS veschaffte mir Erleichterung. "Teile es, auch wenn der andere es vielleicht nicht hören will", sagte mir mal ein sehr gefühlsbetonter Mensch. "Versetze ihn einen Augenblick in die Situation, daran teilzu haben, das es Dir für einen Moment nicht gut geht und hör auf damit, permanent zu heucheln, das tut nicht gut" Dieser Mensch hat recht damit.

Nur was passiert da in diesem Moment genau? Was sind Auslöser, wenn man offensichtlich keinen hat, von Außen. Welche Bereiche in der Psyche werden da plötzlich animiert, einen solchen Gefühlsgau auszulösen, der aber auch in den nächsten Minuten wieder vorbei sein kann. Ist es ähnlich wie mit der Rauchentwöhnung? Wo man im Grunde noch lange Zeit immer mal wieder diesen Impuls verspürt: "Jetzt ne Zigarett, scheisse, wär das toll", er aber auch in 10 Sekunden wieder vorbei ist.

Sind es Teile des Gehirns, die durch Hormone plötzlich den "Altscheiss" rauskramen und wieso bleibt der Altscheiss eigentlich auch immer da drin? Und kann, oder sollte man überhaupt was dran setzen, alte Begebenheiten auszulöschen? Wäre das besser? Dinge, die einem nicht gut tun, oder nicht gut getan haben, einfach auszuradieren? Wäre das ein Wunsch, also die Fähigkeit zu besitzen, fürs nächste Leben? Sofern man es Karma-Technisch geschafft hat, sich eins zu verdienen?

Oder sind es einfach unaufgearbeitete Dinge, die immer mal wieder auftauchen, um einen dran zu erinnern, das man vielleicht doch nicht alles so gut im Griff hat, wie man meint. Die einen auf dem Boden der emotinalen Tatsachen zurückholt. Sinds wohlmöglich noch andere Zeichen, die ich noch nicht kenne?

Das Zeit keine Wunden heilt, das habe ich bereits früh gelernt. Die Abstände, wo es mal wieder weh tut, werden nur länger. Aber am Ende steht, wenn man eben ganz viel Glück hat, die Gleichgültigkeit, aber bis dahin haben es noch nicht viele Menschen geschafft, mit denen ich mal verbunden war, sei es familär oder freundschaftlich.

Es sind eben die ungerufenen (wenn auch nicht unbedingt ungebetenen) Geister, die alle Namen tragen, Orte oder nur Gesichter. Und so wie ich sicher bin, das ich manch unaufgearbeiteten Dinge erst in einem anderen Leben regeln werde, so bin ich auch sicher, das jeder Geist, der plötzlich wieder vor einem steht und einen quält, oder erinnert, sein Gutes hat. Ob man es nun versteht oder nicht, warum gerade jetzt und hier.

Vielleicht macht gerade diese Tatsache die Angelegenheit so uuschön. Das unvorbereitet sein. Nicht zu wissen, wann es zuschlägt, es einen einnimmt und innerlich durchschüttelt, um dann genauso schnell wieder das Weite zu suchen. Früher habe ich immer gedacht, so etwas passiert, wenn der andere gerade sehr an einen denkt, aber Beweise dafür blieben mir bis heute unbewiesen ;-). So glaube ich eher weiter an einen Schaltfehler, an einen von der Psyche gewollten, ein menschlicher Schaltfehler, der einen aus dem Alltag einen Moment rauszerrt, einen Spiegel vorhält und sagt: "Da stehst Du Mensch, das bist Du Mensch, merkst Du es? Und nun.....geh wieder an die Arbeit, Du solltest es nur spüren"

Denn es ist am Ende das Zeichen des Lebens, der Ruf, der Anstubser "Du lebst, liebst und leidest", Du bist.....ein Mensch. Sei dankbar dafür, das Du so offen im Herzen noch bist, das der Schmerz noch Zugang findet.

Denn wo kein Schmerz mehr rein kann, kann kein Gefühl mehr raus.

2 Kommentare:

  1. Karl H. Pribram: Brain and Perception, Oxford 1995
    C.G. Jung: Symbole und Wandlungen der Libido, Zürich 1954
    Verena Kast: Psychose und Individuationsweg, Zürich 1995

    oder Ichundienebenmir: Synapsengewürfel;-)

    Es ist schön, daß Du lebst, daß es Dich gibt, und daß es Dich in meinem Freundeskreis gibt!

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  2. Ich bemühe mich stets :-)

    Und muss gleich ersma meinen Deckel bezahlen ;-)

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