Dienstag, 22. Februar 2011

Wir puzzeln uns einen Dali

Eigentlich hat er uns, die Menschheit, mit seiner Kunst schlicht und ergreifend verarscht. Er zwingt uns, seine Bilder aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, was aber schlußendlich nicht zu einem stimmigen Bild führt. Wir gehen nah heran, sehen die Feinheiten, kleine Sauereien oder Alptraumsymbole, aber das Gesamtbild verschwimmt in viele kleine Teile. All diese kleinen Teile haben ihre Berechtigung, auch verdammt nochmal wahrgenommen zu werden. Wir tun es. Drücken unsere Nasen platt an Dingen, die wir allumgreifend sehen wollen, wir wollen mitreden, nichts verpassen. Nur sehen wir kein Gesamtbild.

Gehen wir weiter weg, wirds klarer, all die kleinen Dingen formen gemeinsam ein Großes, stimmiges Bild, nur welchen Wert, ausser der Formung des gesamten Bildes haben diese Kleinigkeiten dann noch. Wir betrachten ein Gesamtbild, ohne die Einzelheiten noch als wichtig zu erachten. Also gehen wir näher ran, man will ja aufmerksm bleiben.

Doch finden wir jemals die richtige Perspektive? Den richtigen Abstand zu Dingen, um sie wirklich zu verstehen, zu be- und -greifen und zu sehen, wie sie wirklich sind?

Man puzzelt sich sein Bild aus verschiedenen Perspektiven zusammen, nimmt das Große eher wahr als das Kleine, versucht aber, die kleinen Dinge nicht zu vergessen. Gelingen tut es selten, ohne das Gesamte zu vernachlässigen, hängt sich dann an den Kleinigkeiten auf, hadert mit ihnen, verliert den Faden zum Bild.

Im Grunde zeigt Dali uns dieses Problem der Perspektive eiskalt auf. Die Findung des Mittelweges. Zieht den Spiegel und hält ihn uns vor. Zum einen genau hinzusehen, intuitiv zu "finden", aber niemals den Blick fürs Ganze zu verlieren, denn das könnte uns ganz schnell erschlagen, wenn wir plötzlich gezwungen werden, Abstand einzunehmen.

Sie war 16, als sie u.a. diesen Text als Teil eines Kunst-Referates zum Thema Surrealismus anfertigte (hier bemüht, es noch einmal in etwa so wiederzugeben). Es wurde 16 Seiten lang. Die Lehrerin überfordert. Denn sie hatte anderes erwartet, Entstehung, Künstler, Geschichte....das typische abgeschriebene und fussgenotete "Bla Bla" Sie formte daraus Sinnfragen, Gleichnisse... und durfte es nicht vortragen ("einige dürften damit überfordert sein"), bekam eine "1" und hatte wieder einmal das Gefühl, das es vielen Menschen nicht zugetraut wird, auch mal andere Blickwinkel einzunehmen.

1 Kommentar:

  1. Ja.

    Ich hab studiert. Das war oft auch nicht schön. Aus eben diesem Grund.

    Ich glaube, dass wir beides könnten, wenn wir nicht so verkrüppelt wären in der Seele. Sowohl den Abstand als auch das detail zugleich wahrnehmen. das Entscheidende ist, dass wir keine Zeit / keine Energie/ keine Lust dazu haben.

    Vor allem aber haben wir alle die Hosen voll, dass da noch eine andere perspektive lauern könnte, etwas ANDERSARTIGES, das sich in seiner Wildheit unserer Interpretation entzieht.

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