In der letzten Zeit erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich eine alte Angewohnheit von mir, nämlich die, des Menschen beobachtens (sei es im Cafe, in einer Discothek, Bar, sonstwo) perfektioniere.
Ich wende es sogar an, wenn ich mich selbst nicht statisch aufhalte, sondern spazieren gehe, auf dem Rad bin, im Auto, laufend, beim Einkaufen, an der Kasse....Gut, im Straßenverkehr wird’s manchmal heikel, aber irgendwas ist ja immer.
Speziell jetzt in der dunklen Jahrezeit und mit abnehmender guter Wetterneigung „neigen“ sich auch die Gesichtszüge der Mitmenschen. Ich glaube, ich habe in den letzten paar Wochen selten so viele scheinbar schlecht gelaunte Mensche gesehen. Und soll ich mal was sagen? Es gruselt mich zunehmend.
Unzufriedenheit gruselte mich schon immer, ist doch jeder immer und fast zu jeder Zeit in der Lage, an einer Situation dergestalt mitzuarbeiten, das es einem zumindest ein wenig besser gehen kann.
Nur was für eine Unzufriedenheit ist das. Die innere, der Missklang in sich selbst, oder die der äußeren Einflüsse. Und wie weit wirkt das eine auf das andere ein?
Ich kenne das Gefühl der Unzufriedenheit zu gut. Aber es hat, in meinem Fall, oft immer nur eine einzige Ursache, nämlich den Gedanken in sich vereint, nicht „genug“ zu sein. Nicht allem und jedem genug gerecht und der Situation ausreichend genüge zu tun. Brechen wir es auf den Hang zum Perfektionismus runter. Selten war ich mit schnöden Dingen wie zuwenig Geld, zu wenig super schlank, zu wenig teure Klamotten oder zu wenig Sozialleben unzufrieden. In diesen Dingen bin ich vielleicht sogar relativ im Einklang. Es sind Dinge, die ich ändern kann, 2. Job, noch mehr Kohle, noch mehr Sachen. Noch mehr Sport, weniger Süsskram, mehr rausgehen...
Aber der Perfektionismus? Was braucht er? Zeit, in erster Linie braucht er Zeit. Menschen brauchen Zeit, kümmern braucht Zeit....hier kommen wir zum Kernproblem. Der scheiß Tag hat nur 24 Stunden und ich schlaf doch zu gern und muss nen bisschen Geld verdienen.
Ich bin wirklich selten schlecht gelaunt. Also dieses typische lange Gesicht, rotzige Reaktionen, laut werden. Ich bin aber auch kein Clown, der sich die Maske je nach Gemütszustand zurecht schneidet, um ja sofort als „gut drauf“ oder „schlecht drauf“ erkannt zu werden. Ich mag es eher wenn man mich unbeeindruckt fragt „Hey....wie geht’s Dir?“ und nicht „Hey...wasn los?“
Nennt man das Pokerface? Wie auch immer man das nennt. Der große Vorteil dieses Pokerfaces ist schlechtweg der, das man sehr selten bei seinen Gedankengängen gestört wird. Denn es gibt, !Achtung Ironie“, sehr wenige Menschen, die ehrlich von einem wissen möchten, wie es einem gerade geht. So kann man seine Neurosen, seine Melancholie, vielleicht auch Trauer und Wut schon für sich allein ausleben. Ohne gleich von Menschen, wie mir, in Augenschein genommen zu werden.
Nur morgens nach dem Aufstehen und Abends vorm zubettgehen, schaue ich selbst in dieses "Face" und stelle fest, das ich vielleicht doch noch zu den zufriedeneren Menschen gehöre, die, wenn man ehrlich zu sich selbst ist, doch im Grunde sehr viel Glück im Leben hatten bis heute. Ein gesundes Kind, eigene Unversehrtheit, ein Job, ein Dach über dem Kopf und das Wissen, das dies schon weitaus mehr ist, als andere Menschen für sich beanspruchen dürfen und auch können. Ich nenne es Demut vor der eigenen Existenz und etwas eigenen Stolz für das Erreichte bis heute.
Da darf man sich vor der Menschheit, die einem so tagtäglich ins "Gesicht rennt" schonmal gruseln.
Auch mich gruselt´s zunehmend. Vor allem, wenn das "lange Gesicht" mit einer nicht nachvollziehbaren Gewaltbereitschaft auch bei "Normalbürgern" einhergeht.
AntwortenLöschenWas machen die denn dann, wenn WIRKLICH mal was passiert?