Nein, nicht hier, ich will mich auch nicht verabschieden. Aber eine Dokumentation auf N24 heute früh, mit dem ersten Kaffee am Morgen des 2. Weihnachtstages warf in mir ne Menge Zeugs auf. Fragen, die ich mir zwar häufiger schon in einigen Momenten selbst stellte, aber im Grunde, wie auch nun wohl, weitestgehend unbeantwortet bleiben.
Es ging in dieser Doku um aufgezeichnete "last words" von Opfern des 9/11. Telefonate, Anrufbeantworteraufzeichnungen. Menschen, die dazu verdammt oder auch gesegnet waren (im Grunde wissen diese Menschen es selbst nicht so genau) ihren Lieben beim Sterben zuzuhören. Direkt oder indirekt, je nach dem, welches Medium (direkter Anruf oder Anrufbeantworter) erreicht wurde.
Eines hatten alle Anrufe gemeinsam, sie gingen an immergleiche Adressaten, Menschen, die Ihnen nahestanden. Sie nutzten ihre letzten Minuten dafür, gerade ihnen noch einmal zu sagen, wie sehr sie sie lieben, das sie auch sich aufpassen sollen, man an sie denke.
Das ist schön, denkt man sich, das ist schön schrecklich, denkt man sich. Das ist großer Trost und große Last gleichzeitig für den "Empfänger". Eine Erinnerung auf ewig. Fluch oder Segen? Möchte man als Letzter im Leben eines geliebten Menschen wissen, wie sehr man geliebt wird? Vielleicht sogar erst dann in aller Endgültigkeit. Möchte man sich Gedanken darüber machen, wie sehr die Angst des Gegenübers versucht wurde zu überlagern, in dem man dem "Überlebenden" Trost spendet? Tut man diesem Menschen wirklich einen Gefallen? Sollte man nicht schon zu Lebzeiten alles dran setzen, gerade den Menschen, die man liebt, dies ständig vor Augen zu führen.
Es zeigt sich wohl wieder, das ich eine vielleicht absolut krank-romantische Vorstellung von Liebe habe. Sich selbst vorzustellen, wie es sei, was man denn sagen würde, wenn man an der Schwelle zu dem ist, auf was wir unser Leben lang vorbereitet werden, auf den Tod, ist naturgemäss etwas schwierig. Nur denke ich, für mich, dürfte es nichts sein, was ich nicht genau diesen Menschen schon zu Lebzeiten nicht genügend gesagt hätte.
Es erinnert mich gerade dunkel an das Ende einer Beziehung von mir, wo der Mann, als es darum ging, unser Heim zu verlassen, plötzlich das erste Mal überhaupt in den knapp 3 Jahren in Tränen ausbrach, Emotionen aus ihm herausplatzen, etwas, was ich 3 Jahre im Grunde in diesem Mann in dieser Intensität gesucht habe, was nen Stückweg sogar zur Trennung von diesem lieben Menschen, den ich immer noch sehr achte und lieb habe führte. Dort, an dieser Stelle des "point of no return". Meine Reaktion, die ich ihm so nicht zeigte war Wut, abgrundtiefe Wut. Warum jetzt? Ich sagte es ihm erst Jahre später.
Zurück zum Thema.
Was würde ich sagen wollen? Vieleicht nochmal ne letzte Abrechnung mit den Leuten, die mir nicht gut getan haben im Leben? Ich denke nicht. Denn ich bin der Meinung, sie sind genug gestraft, vielleicht sogar mit der Tatsache, das sie in meinem Leben nicht mehr stattfinden dürfen. Randfiguren sind.
Den Menschen, die ich liebe, jeden auf eine eigene Art und Weise, sagen, das ich es tu? Sollten sie es nicht längst wissen, ist es nicht meine Aufgabe, dies zu Lebzeiten zu tun. Das sie vielleicht mir nur noch sagen müssen: "Ich weiss....."
Vielleicht ist ein einfaches "Danke" an jeden Adressaten genau das beste "last word @ the point of no return" Danke an alle, die mich durch schlechte Erfahrungen reifer und sensibler haben werden lassen. Danke an alle, denen ich meine Liebe und Zuneigung geben durfte und die mir gleiches zurückgaben.
Nicht mehr, nicht weniger
Spart auch Platz auf dem Marmor-Steinchen unter dem Bäumchen, wenn man "six feet under......." und sagt auch zu Lebzeiten mehr aus als langer zurechtgeklöppelter Groll und schöngeschwungener Phrasen.
Danke!
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