Seit dem ich denken kann gibt es eine Sache, die mir, meines Erachtens, völlig abgeht. Schon immer schaute ich bewundernd bis neidisch auf selbstgebastelte Fimo-Türschilder, Knetmännchen anderer Kinder, bunte selbstgebastelte Masken zu Karneval und Laternen für den Maddin, von Omma toll verzierte Kekse....angucken, bewundern, haben wollen. Alles kein Problem. Ich war immer dankbare Abnehmerin von selbstgemachtem Zeugs und würdigte dies auch immer ausgiebig und demutsvoll. Was wohl in erster Linie daran liegt, das mir selbst Kreativität dergestalt völlig abgeht. Ich saß dann meist da, hatte all das Handwerkszeug vor mir liegen (Keksteig, Ausstechförmchen, Zuckerzeugs) und starrte Löcher in die Tischplatte, stach dann einfach irgendwann nur runde Kekse aus, legte sie aufs Blech und hatte keine Lust mehr. Später kaufte ich sie nur noch.
Schon im Kindergarten hatte ich das Problem, das meine gebastelte Laterne mit Sicherheit die schlimmste wurde. Nicht, weil ich keine Lust gehabt hätte, nein, weil mir die Umsetzung meiner schier endlosen Ideen für diese Laterne nicht gelang. Es sollte schön sein, praktikabel, farblich stimmig, bloß nicht schief und bitte perfekt. Himmelfahrtskommandos mit anschließender Frustration und dem Ergebnis einer lieblos hingeklatschten Laterne (wenn schon nicht perfekt dann wenigstens irgendwie fertig. Das war in der Schule immerhin für ne 4- gut.
Im Grunde bin ich ein Ästhet. Ich mag schöne Dinge, klare Dinge, gradlinige Dinge. Ich kann sie mir stundenlang ansehen, mich dran freuen. Ich mag ne schöne unauffällig kleine Blume am Wiesengeläuf genauso wie ein tolles Bild, vor dem ich mir stundenlang die Augen aus dem Kopf schauen kann, und immer wieder neue Details finde. Überhaupt bin ich sehr detailverliebt. Aber dies alles selbst „in die Hand zu nehmen“? Keine Chance. Ich hab es oft genug versucht, wollte was beginnen, wollte so sein wie die ganzen anderen Kreativen...MACHEN! Ich blieb immer in der Gedankenmaschine des „das wäre toll wenn das so oder so aussehen.....“
„Aber Du bist doch kreativ, Du kannst schreiben“ wurde mir noch gestern gesagt. Gut, das mag stimmen, aber es ist ja auch „nur“ eine andere Art der Kommunikation, wie sie auch die Kunst, das Handwerk oder sonstwas ist, aber irgendeine Synapsenreihe scheint da bei mir brach zu liegen. Ich kann nur schreiben, und selbst das nicht jeden Tag.
Trotzdem schaue ich immer voller Ehrfurcht auf die Menschen, die „das andere alles“ so einfach aus dem Kopf schütteln, und dies sogar visuell dem Plenum zur Huldigung darbieten können. Was zum anfassen, greifen, hinstellen und aufhängen und bin nen bisschen neidisch.
Meine gewollte Perfektion in manchen Dingen wurde mir, Gott sei Dank ein Stückweg ausgetrieben.
Eine Wohnung, die bunter und farblich auch wärmer wurde (gut, die Farbe rot geht immer noch nicht), Bilder, die nicht mehr symmetrisch rumhangen, keine doppelt oder vierfach gekauften Dinge wie Kerzenständer etc. weil 1 oder 3 Mist aussahen. Symmetrie musste her. Ein Bett hatte 2x2 Meter zu sein und nicht 1,80 mal 2. Punkt. Ich lernte Chaos. Selbst drei Kissen durften ins Bett und da bleiben sie auch, sogar andersfarbig.
Aber kreativer macht mich das alles auch nicht, nur weniger perfektionsgeil, was optische Gesichtspunkte angeht.
Hatte ich erwähnt, das ich auch ungern in Schwimmbäder gehe, weil ich manchmal einfach den Anblick unförmiger Menschen in gruselig anmutender Badebekleidung absolut abstoßend finde? Das ich Menschen erst mal nach dem äußeren Erscheinungsbild beurteile, wenn nicht absolut und sofort zu erkennen ist, das hinter der Hülle was extrem wertvolles steckt? Scheisse angezogen, schon mal ganz schlecht. Farblicher Amoklauf in den vielleicht schon netten Klamotten, Augenschmerzen und Ungemacht....
Der letzte Absatz in einem anderen Schriftbild ist nackte Absicht....es gruselt mich. Aber damit lern ichs :-)
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